Mein Vater, ein ausgesprochener Bewunderer des Lyrikers Eugen Roth, hat mir bereits als kleines Mädchen verschiedene Reime und Gedichte mit auf den Lebensweg gegeben und ans Herz gelegt. Eines der Gedichte, dessen Tragweite mir im zarten Alter noch nicht bewusst war, habe ich mir 2011 im Internationalen Jahr der Wälder wieder ins Gedächtnis gerufen.
«Zu fällen einen schönen Baum, braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.»
In jeder Minute werden die Wälder auf der Erde um eine Fläche von 38 Fussballfeldern dezimiert. Am Amazonas, im grössten Regenwald der Erde, wird nach wie vor ungehindert gerodet und abgebrannt mit dem Ziel, Anbauflächen für Sojafelder und Weideflächen für die Rinderzucht der Grossgrundbesitzer zu gewinnen.
Ähnlich ungehindert von der Weltpolitik brennt der Regenwald in der demokratischen Republik Kongo mit dem Zusatz, dass hier noch die Wilderer die Berggorillas abschlachten und das Fleisch auf den heimischen Märkten verkaufen. Auch Indonesien, der weltgrösste Hersteller von Palmöl, einem Rohstoff, der sich in Lebensmitteln und Brennstoffen wiederfindet, ignoriert seine Verpflichtung zum Klimaschutz. Da stellt sich die berechtigte Frage, ob Aufforstungsprogrammein unseren heimischen Bergwäldern in der Schweiz und angrenzenden Alpenregionen einen messbaren Gegenpol darstellen und von Erfolg gekrönt sind. Einen Baum pflanzen, das ist wie ein Traum, unseren Glauben in die
Zukunft pflanzen und das allein ist bereits ein Erfolg.
Kirstin Hangarter, General Manager der La Prairie Group Schweiz
INHALT
Fotos: Jack Atley/Bloomberg via Getty Images, Siggi Bucher, Linda Pollari, PD (4)
Wer im vergangenen Jahr nachhaltig investiert hat, liegt nicht nur im Trend, sondern erfreut sich
seiner Rendite. Lesen Sie dazu die Beiträge unserer Wirtschaftsjournalistin, Susanne Kapfinger. Sie erlebte zum Jahrtausend- wechsel die dot.com-Krise und die Grosse Finanzkrise (2007) und weiss, dass danach Chancen entstehen.
Linda Pollari studierte an der Hochschule der Künste ZHdK in Zürich Fotografie . Sie hat das Gespräch ab Seite 64 fotografiert.
Kaspar Meuli, freier Wirtschaftsjournalist aus Biel, schreibt regelmässig für «Verde», «Umwelt», «FIRST» und das «ceo Magazin» zu spezifischen Umweltthemen und ist Verfasser der Titelgeschichte «Nachhaltigkeit».
Ladina Caduff wurde von Duncan Blum fotografiert. Der Mode- und Porträtfotograf mit deutsch/japanischen Wurzeln hat sich bereits mit Porträts internationaler Persönlichkeiten einen Namen gemacht. Bildbearbeitung: Ferco Postproduction
Schwerpunkt
22 Am nachhaltigen Wirtschaften führt kein Weg vorbei:
Wie ein Unternehmen Verantwortung gegenüber Gesellschaft
und Umwelt übernimmt, wird künftig immer wichtiger.
Von den 193 anerkannten Staaten der UNO sind zurzeit nur in 17 Ländern Frauen an der Spitze.
• Die Liste der ehemaligen weiblichen Staatsoberhäupter ist hingegen recht beachtlich, bedenkt man, dass das erste Wahlrecht für Frauen in Europa 1906 in Finnland eingeführt wurde. Den Anfang machte der amerikanische Bundesstaat Wyoming, der seine weiblichen Bewohner 1989 (wohl eher 1889?!?) erstmals an die Urne bat.
Auch in puncto Amtsdauer stehen einzelne Frauen den Männern in nichts nach. So ist Mary McAleese, Staatsoberhaupt von Irland, bereits seit 14 Jahren im Amt und damit die «Dienstälteste». Die meisten weiblichen Präsidentinnen in der Geschichte eines Landes stellt der Mikrostaat San Marino, eine Enklave von Italien. Seit Einführung des Frauenstimmrechts im Jahre 1959 kamen dort bisher 10 Frauen an die Macht.
Als jüngstes Beispiel für die Umstellung von Männern zu Frauen an der Spitze eines Staates dient Brasilien. Seit dem 1. Januar 2011 ist dort Dilma Rousseff Präsidentin. Auch die Schweiz ist mit der heutigen Besetzung des Bundesrates ein Beispiel dafür, dass die Frauen auf der politischen Bühne immer besser im Gleichschritt mit den männlichen Kollegen auftreten können.
Die untenstehende Karte zeigt, dass Europa im Moment den grössten Anteil an Präsidentinnen stellt.
Liste der Länder, Stand Januar (könnte sich ja noch ändern bis Dezember 2011) 2011: Länder mit Frauen in der obersten Regierungsschicht? Präziserer Titel!
Länder wenn möglich noch alphabetisch ordnen, sieht besser aus. (mf)
Das MOME nutzt digitale Technologien zur Effiziensteigerung
• Um die Kommunikation mit den Einwohner und der lokalen Wirtschaft zu verbessern hat das ‚Mayor’s Office of Media and Entertainment’ (MOME) unter Anregung des New Yorker Bürgermeisters eine neue Funktion ins Leben gerufen. Der ‚Chief Digital Officer’ soll der städtischen Regierung helfen digitale Technologien in die Arbeitsabläufe und interne Kommunikation zwischen den Abteilungen einzubauen. Ausserdem ist die Stelle mit der Aufgabe betraut, das MOME gegenüber der Regierung zu vertreten.
Hierfür wurde die 30-jährige, erfolgreiche Internetunternehmerin Rachel Sterne betraut. Sie selbst gründete das Startup Unternehmen „GroundReport“, ein Projekt für Bürgerjournalismus, für welches über 7’000 Reporter arbeiten. Eine ihrer ersten Aufgaben in der neuen Position wird sein, die offizielle Website der Stadt New York benutzerfreundlich zu gestalten. (mf)
Asia Bibi - eine Frau kämpft
Eine Christin in Pakistan hält trotz Gefängnis an ihrem Glauben fest
• Als Asia Bibi im Sommer 2009 während der Feldarbeit losgeschickt wurde, um Trinkwasser zu holen, ahnte sie noch nicht, was für verheerende Folgen das haben würde. Beim Brunnen angekommen, wurde die Christin aufgefordert, ihrem Glauben abzuschwören und unverzüglich dem Islam beizutreten, da sie sonst das Wasser verunreinige. Empört über diese Anmassung verteidigte sie ihren Glauben und weigerte sich, der Aufforderung nachzukommen. Daraufhin wurde sie nach dem geltenden pakistanischen Recht der Blasphemie beschuldigt und inhaftiert.
Das entsprechende Gesetz sieht vor, dass alle Bewohner des Landes den Islam und das religiöse Empfinden der muslimischen Gemeinschaft zu schützen haben. Seine vage Formulierung erlaubt dem Polizei- und Justizsystem in Pakistan aber, absolut willkürlich mit religiös Andersdenkenden umzugehen. Dies ist auch der Grund, wieso die christliche Minderheit landesweit immer wieder Opfer willkürlicher Inhaftierungen wird.
Seit Sommer 2009 bemühen sich nun diverse Personen und Institutionen- darunter Persönlichkeiten wie Papst Benedikt XVI- oder der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari selbst- um die Freilassung von Asia Bibi. Bisher ohne Erfolg. (mf)
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Marktplatz
FOTOS: Istockphoto, PD (3)
Christine
Novakovic
• Nach einem kurzen Ausflug in die Kunstbranche ist die ehemalige «Bankerin des Jahres 2003» zurück bei der UBS. Bevor Sie beim Zürcher Kunsthändler ‚Barr & Ochser’ anheuerte, legt sie eine beeindruckende Karriere bei der Citigroup hin und machte die Citibank Deutschland zur effizientesten und profitabelsten Privatkundenbank und zum erfolgreichsten Geschäftsbereich der Citigroup ausserhalb der USA.
Nun zeichnet sie sich ab Januar bei der UBS für das Ressort ‚Corporate und Institutional Clients’ verantwortlich.
(mf)
www.womeninbusiness.ch
Ausgabe: Nr.03/2011
Erscheinung: Monatlich, 10 mal im Jahr
Auflage: 15 000 Exemplare
Herausgeber
Immobilien & Business Verlags AG
Grubenstrasse 56, CH-8045 Zürich
Telefon 043 333 39 49
womeninbusiness@ibverlag.ch
Verleger
Dominique Hiltbrunner
Chefredaktorin
Sabine Hauptmann, hauptmann@ibverlag.ch
Redaktoren
Susanne Kapfinger (sk), Michaela Schröder (ms), Maria Friedel (mf)
Haftungsausschluss: Der redaktionelle Inhalt stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Abschluss einer Finanztransaktion dar und entbindet den Leser nicht von seiner eigenen Beurteilung.
Sarah
Dovlo
• Seit 1. Dezember ist die studierte Betriebswirtin mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation für die Leitung des Online-Marketings bei Blue Spirit verantwortlich. Zu ihren weitren Aufgaben gehören der Ausbau der Online-Kompetenz, sowie die online/offline-Verschmelzung mit den anderen Kommunikations-DisziplinenTrade-Marketing und Advertising weiter vorantreiben.
Zuvor war sie bei FCB Leutenegger Krüll und Contexta, wo sie als Beraterin Etats wie Beiersdorf (Niveau und Eucerin), Neue Aargauer Bank, Swisscom, 1818 oder Cablecom führte. (mf)
1. Dekade geschafft
Non-Profit Organsation «100 Women in Hedge Funds» feiert Jubiläum
• Was im Jahre 2001 als kleiner Verbund aus Finanzexpertinnen begann, hat sich mittlerweile zu einer Organisation mit über 10’00 Mitgliedern entwickelt. Sämtliche Bestrebungen von 100WHF dienen den drei Bereichen Bildung, berufliche Entwicklung und Philantrophie, sowie dem Aufspüren führender Köpfe in der Hedge Funds- Branche. Die Organisation 100WHF überreicht jedes Jahr die Preise „Effecting Change“ und „Industry Leadership“ an Personen, die durch ihr philantrophisches und berufliches Engagement herausragende Leistungen im Bereich „alternative Investment“ erbracht haben.
Ihr zehnjähriges Bestehen zelebriert die 100WHF im Laufe des Jahres 2011 an den verschiedensten Börsenplätzen auf der ganzen Welt. Anne Popkin, Vorstandsvorsitzende von 100WHF hielt in ihrem Statment zum Jubiläum fest, dass sie stolz darauf sei, was die Organisation in den letzten 10 Jahren erreicht habe, insbesondere auf die stark gewachsene Mitgliederzahl, die unzähligen durchgeführten Bildungsanlässe und die über USD 20 Millionen an Spendengeldern, die zugunsten wohltätiger Organisationen gesammelt wurden. (mf)
Brigitte Breisacher – Inhaberin und CEO der Alpnach Gruppe
zwischen Tradition und Innovation
Idyllisch liegt Alpnach-Dorf am Fusse des Pilatus. Angesichts der landschaftlichen Schönheiten denkt man eher an Urlaub als an massgefertigte Schränke. Hier ist auch eine der erfolgreichsten Möbelfirmen der Schweiz domiziliert: die Alpnach Norm-Schrankelemente AG.
TEXT ursula burgherr foto siggi Buecher
unternehmen & märkte
«Bodenständigkeit spürt man hier
noch stark und das schätze ich!»
Brigitte Breisacher – Inhaberin und CEO der Alpnach Gruppe – liebt das ländliche Ambiente des Firmen-Hauptsitzes im Kanton Obwalden. «In dieser Gegend bin ich aufgewachsen und will nie mehr wegziehen», meint sie bestimmt. Und auf die Frage, ob eine zentrumsnahe Lage fürs Geschäft nicht günstiger wäre: «Wir haben viele langjährige Mitarbeitende aus dieser Region. Stadt- und Landleute sind zwei paar Schuhe. In ländlichen Gebieten sind Loyalität und die Bereitschaft, etwas zu bewegen einfach grösser!» Der Hauptsitz habe eine tiefe Fluktuationsrate, während diese in den städtischen Filialen der Alpnach Gruppe viel höher sei. «Bodenständigkeit spürt man hier noch stark und das schätze ich!»
Mit 19 Jahren begann Brigitte Breisacher als Mitarbeiterin im Unternehmen ihres Vaters und wurde trotz familiärer Bindung nicht geschont, sondern zünftig gefordert. «Für diese Lebensschule bin ich meinem Vater dankbar», sagt sie anerkennend und lebt als Vorgesetzte selbst Werte wie Ehrlichkeit und korrekten Umgang vor. «Der Arbeitsfriede ist mir wichtig. Werden aber Respekt und Anstand missachtet, dann greife ich ein! Ich trage Sorge zu meinen Mitarbeitern, aber ich erwarte auch viel von ihnen.» Während ihr Vater noch ein richtiger Patron war, pflegt sie eine flache Hierarchie und setzt auf Macher- statt auf Managertypen: «Wenn wir in eine neue Maschine von einigen Hunderttausend Franken investieren, werden die Handwerker von Anfang in die Abläufe miteinbezogen. Sie müssen ja später damit hantieren.»
Seit 1987 ist Brigitte Breisacher im Familienunternehmen und kontinuierlich von der Kauffrau über die Verwaltungsrätin bis zur Geschäftsinhaberin aufgestiegen. Sie wollte nie etwas anderes als Nachfolgerin ihres Vaters werden und widmete sich mit grossem Engagement der Firma. «Schon als Kind war ich am glücklichsten, wenn ich in Vaters Büro auf seinem Stuhl sitzen durfte», erinnert sie sich. Mit ihren sechs Geschwistern gab es bezüglich der Geschäftsübernahme keine Konflikte und so nahm Brigitte Breisacher 1998 offiziell das Zepter in die Hand. 2008 kaufte sie das ganze Aktienpaket der Alpnach-Gruppe von ihrem Vater und ist seither deren alleinige Eigentümerin.
Heute arbeiten schweizweit 150 Angestellte für die Alpnach-Gruppe. Das Kerngeschäft des Unternehmens sind Schränke nach Mass. Im Showroom findet sich eine riesige Palette an Modellen in allen Grössen und Farben. «Jeder Schrank ist ein Unikat und wird nach Kundenwunsch gefertigt. Pro Jahr produzieren wir rund 40 000 Schrankelemente», schätzt Breisacher. Seit 12 Jahren stellt die Firma mit der Schwestergesellschaft Alpnach Küchen AG auch Küchenmöbel her und Brigitte Breisacher ist es gelungen, diesen Bereich erfolgreich im Markt zu positionieren. 2010 konnte die Alpnach-Gruppe so konsolidiert einen Umsatz von rund 42 Mio. ausweisen und sich gegenüber 2009 steigern.
Unternehmen wie Hülsta Möbel oder Interlübke, aber auch Möbelhäuser wie Pfister oder Märki sind ernstzunehmende Konkurrenten. Breisacher sieht die Stärke der Alpnach Norm in der Massanfertigung. «Bei Mietwohnungen besteht ein harter Preiskampf und in der Regel erhält der günstigste und schnellste Lieferant den Zuschlag. Wohneigentümer hingegen schätzen
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Brigitte Breisacher
1966 übernimmt Theo Breisacher eine stillgelegte Parkettfabrik und gründet die Firma Alpnach Norm mit 6 Mitarbeitenden. Die kleine Schreinerei expandiert stetig zu einem florierenden Unternehmen mit Produktion, Lager, Spedition und Büro. 1987 tritt Tochter Brigitte in die Firma ein. Seit den 80er-Jahren werden laufend neue Filialen eröffnet und die Alpnach Norm ist heute an 12 Standorten vertreten. 1999 wird die Alpnach Küchen AG mit Sitz in Strengelbach (AG) gegründet. 2006 entsteht eine neue Produktionshalle in Alpnach mit einem computergesteuerten Lager auf 196 Etagen. 2008 übernimmt Brigitte Breisacher das gesamte Aktienpaket der Alpnach-Gruppe und wird Alleininhaberin und Verwaltungsratspräsidentin.
Neben Qualität ist ihr auch Nachhaltigkeit wichtig.
Ästhetik und Design und investieren entsprechend anders.» Alpnach Norm beliefert zwar beide Kundensegmente, baut laut Breisacher jedoch weiterhin auf Individualität und Qualität. Sie zielt zudem auf neue Märkte ab, in denen neben Funktionalität auch Design gefragt ist.
Um effizient uwnd im Wettbewerb bleiben zu können, werden bei Alpnach Norm die Abläufe stetig optimiert. «Wir krempeln jeden Tag die Ärmel hoch und geben unser Bestes», erläutert Breisacher. Neben Qualität ist ihr auch Nachhaltigkeit wichtig. «Unsere Produkte sind formaldehydfrei und werden mit umweltfreundlichen Materialien lackiert. Wir haben Fahrzeuge mit geringem CO2-Ausstoss und dank eines ausgeklügelten Plans kurze Transportwege.»
Die Möbelbranche befindet sich trotz wirtschaftlicher Situation weiter im Aufwärtstrend. «Unsere Auftragslage war bisher gut, da die Hypotheken günstig sind und zunehmend in Immobilien investiert wird», so die Firmen-Inhaberin. Ausschlaggebend für die kommenden Jahre sei jedoch, wie sich die Hypothekarzinsen entwickeln. Brigitte Breisacher will die Alpnach Norm-Schrankelemente AG deshalb zukünftig auch im Renovationsbereich stärker positionieren. «Beim Ausbau einer älteren Liegenschaft
denkt man meist erst an Küche und Bad, dabei wäre es die Gelegenheit auch die Innenräume neu zu möblieren. Unsere Herausforderung wird sein, in diesem Sektor zu den führenden Anbietern zu gehören.» Die Aussichten dafür sind gut: «Das Unternehmen steht auf einem soliden Fundament. Ich verbinde jetzt die Tradition mit der Innovation», sagt Brigitte Breisacher und blickt optimistisch in die Zukunft.
Die 41-Jährige zählt zu den renommiertesten Innenarchitektinnen Europas. Darauf angesprochen, wird sie fast verlegen: «Ich fühle mich nicht als etwas Besonderes, mache einfach das, was ich liebe und hole immer das Beste aus mir heraus. Einen Businessplan hatte ich nie, sondern nahm die Chancen wahr, welche sich mir boten. So bin ich Schritt für Schritt weitergekommen.» Stilmässig will sie in keine Schublade gesteckt werden. «Kopiert wird bei uns nicht, auch wenn ein Design noch so erfolgreich ist», sagt sie bestimmt. «Ich gehe bei jedem Auftrag individuell von den Menschen aus, die sich später in den Räumen bewegen oder darin leben werden.»
Dennoch: Die Interieurs, welche Iria Degen gestaltet, tragen eine klare Handschrift. Ihr Stil ist schlicht und puristisch, aber nicht minimalistisch. Sie verwendet vorwiegend Naturmaterialien und erdige Farben, um die Räume einladend wirken zu lassen. «Die Zusammenstellung der verschiedenen Stoffe, Hölzer, Steinmuster usw. ist etwas vom Schönsten an meiner Arbeit», schwärmt sie und bezeichnet jedes Projekt als neue Herausforderung.
Wie richtet man sich schön ein? Gibt es dafür eine Art goldenen Schnitt? «Nein. Jeder Mensch reagiert beispielsweise unterschiedlich auf Farben. Wie in der Mode gelten auch beim Innendesign keine Regeln mehr. Im Vordergrund stehen der individuelle Geschmack und das Wohlgefühl.» Von Wirtschaftskrise merkt Iria Degen in ihrer Branche wenig. Firmen seien heute jedoch mehr auf die Imagepflege bedacht, und welches Bild ihre Einrichtung beim Kunden auslöst. «In der Schweiz ist vor allem ein zurückhaltendes Design gefragt. Das Interieur soll beim Kunden nicht den Eindruck erwecken, dass er deren Luxus finanziere. Im Ausland hingegen wird je nach Kultur der Wohlstand einer Firma bewusst prunkvoll zur Schau gestellt und damit Vertrauen erweckt», vergleicht Degen die von Land zu Land unterschiedlichen Stile. «Weil in Genf viele Klienten aus dem arabischen Raum kommen, richten wir beispielsweise eine Privatbank dort leicht anders ein als eine Filiale desselben Unternehmens in Zürich.»
Und wer lässt sein privates Domizil von einer Innenarchitektin gestalten? Iria Degens Klientel besteht vorwiegend aus kultivierten Menschen, die auf ihr Ambiente grossen Wert legen und ein Faible für Kunst und Design haben. «Meist fehlt ihnen die Zeit, ihre persönliche Umgebung auszustatten; oder es mangelt an fachlichen Kenntnissen. Wie man sich von einer Schneiderin ein Kleid anfertigen lässt, vertrauen sie mir die Gestaltung ihrer Räumlichkeiten an.» Wer sich einen Innenarchitekten leisten kann, bewegt sich finanziell in einem hochklassigen Segment: «Bei Wohnungen unter 100 m2 wird unsere Leistung zu teuer und steht in einem
Von «innen heraus» schön
Das Portfolio der Schweizer Innenarchitektin Iria Degen ist beeindruckend. Mit ihrem Team hat sie in ganz Europa Banken, Galerien,
Restaurants, Hotels oder Boutiquen eingerichtet. Aber auch verschiedene luxuriöse Privatdomizile zeugen von ihrem klaren, puristischen Stil.
TEXT Ursula Burgherr FOTO Lucian Hunziker
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Ferienhaus im Engadin
Büro im Novartis Campus Märkli Gebäude, Basel
Restaurant Noohn, Basel
Über Umweg zum Traumberuf
Iria Degen schloss ein Jusstudium ab, wollte aber dennoch keine Anwältin werden. Ihre Leidenschaft gehörte dem Design und diese führte sie nach Paris, wo sie der bekannten Innenarchitektin Andrée Putman zuerst als Praktikantin über die Schulter schauen konnte. «In der Innenarchitektur fühlte ich mich auf Anhieb wohl», erinnert sie sich. Bei Putman konnte Iria Degen viel lernen, wurde später Projektleiterin und absolvierte nebenbei ein Studium der Innenarchitektur. Heute führt sie selbst ein erfolgreiches Büro in der französischen Metropole und konnte in Frankreich – unter anderem an der Côte d’Azur – zahlreiche Privatdomizile realisieren.
Obwohl ihre Aufgabe einen gewissen Glamourfaktor hat, ist man überrascht, wenn man Iria Degens Büro in Zürich-Höngg besucht. Alles ist schlicht, funktionell. In Industrieregalen stapeln sich Stoff- und Holzmuster. Die obere Etage des Gebäudes bewohnt sie selbst mit ihrem Mann, dem Fotografen Peter Hebeisen, und dem dreieinhalbjährigen Sohn Vincenz. Die Atmosphäre im Team ist herzlich und unkompliziert. Es gibt keine Hierarchien, denn Degen pflegt einen liberalen Führungsstil. «Ich überlege mir jedoch gut, wen ich für welchen Auftrag engagiere. Ich kann die Stärken meiner Mitarbeiter sehr genau einschätzen, setze sie dort ein, wo sie Talent haben und sich am besten entfalten können.» Weil sich jeder einbringen kann, harmoniert ihr Team im Büroalltag. Iria Degen: «Wenn es nötig ist, kann ich als Team-Verantwortliche aber auch gut ein «Chefwort» sprechen.»
Missverhältnis zum Kaufpreis», schätzt Iria Degen. «Die Ausstaffierung grösserer Domizile enthalten Konzept, Farb-, Material- und Möblierungsvorschläge bis hin zu Vorhängen, Leuchten, Accessoires sowie die Empfehlung von Kunst.»
Das aktuelle Projekt – die komplett neue Inneneinrichtung des Hotels Europe in Basel – ist auch eines ihrer bisher grössten. Von der Eingangshalle bis zu den Zimmern geben Iria Degen und ihr Team dem Gästehaus mitten in der City einen stilvollen Touch. Sie zeichnet auch verantwortlich für die Innengestaltung des Lagoon Beach Hotel in Kapstadt.»Arbeitsweise und Bauqualität in Südafrika waren nicht zu vergleichen mit europäischen Ländern, insbesondere der Schweiz. Wir mussten uns auf die dortigen Gegebenheiten völlig neu einstellen. Aber wir haben uns darauf eingelassen und sind daran gewachsen», freut sie sich rückblickend. Und oft ergibt sich aus einem Projekt ein anderes. So ging der CEO von Novartis im Restaurant Jasper im Palace Hotel in Luzern essen und fand Gefallen an der von Iria Degen gestalteten Einrichtung. Sie konnte deshalb an einem Wettbewerb für Interior Design des Novartis-Campus teilnehmen, gewann diesen und setzte mit ihrem Team das Büro-Projekt um.
unternehmen & märkte
FOTOs: PD (3)
CEO SBB:
Andreas Meyer
Der Vorgänger:
Jürg Schmid
Der Präsident:
Ulrich Gygi
Arianna Huffington
Wieso weiss ihre Internetzeitung «Huffington Post» (HuffPo) immer mehr als alle anderen? Das Geheimnis liegt im Netzwerk.
Arianna Huffington, geborene Stassinopoulus, ist Tochter eines griechischen Journalisten und einer nach Griechenland emigrierten Russin. Nach der Scheidung der Eltern zog sie mit 16 Jahren mit Mutter und Schwester nach England und besuchte dort das renommierte Girton College der Cambridge Universität. Ihr Talent für kritische Diskussion entdeckte sie als Mitglied des renommierten Debattierclubs «The Cambridge Union», dessen Vorsitz sie als erst dritte Präsidentin übernahm.
Nach ihrem Wirtschaftsstudium zog sie nach London und lernte den Journalisten sowie Radiomoderator Bernhard Levin kennen. Aufgrund unterschiedlicher Einstellungen bezüglich Familien- und Karriereplanung ging die Beziehung in die Brüche. Nach seinem Tod 2004 sagte sie einer Zeitung, dass er die Liebe ihres Lebens war.
Um Abstand von England zu gewinnen ging sie 1980 nach New York und schrieb ihre ersten Bücher. Trotz Plagiatsbezichtigungen zu Beginn liess sich Arianna nicht beirren, mit «Third World America» erschien im letzten Jahr ihr dreizehntes Buch, in welchem sie kontrovers die Abschaffung der Mittelklasse von Amerika erörtert.
1985 lernte sie auf einer Party ihrer Freundin Anne Getty den Ölmagnaten und konservativen Republikaner Michael Huffington kennen, den sie 1986 heiratete und mit dem sie zwei Töchter hat. Die Ehe prägte Arianna nachhaltig und schärfte ihren Sinn für Politik. Sie galt lange als Anhängerin der Konservativen, was sich in den neunziger Jahren änderte. Trotz ihrer politischen Ausrichtung war sie stets eine Verfechterin des Abtreibungsrechts gewesen. Ferner liess sie es sich während des Jugoslawienkrieges nicht nehmen, ihre Stimme gegen die amtierende Regierung Clinton zu erhe-ben, wofür sie ordentlich Kritik von allen Seiten einfuhr. Als
NETZWERK
FOTOS: David Montgomery/Getty Images, Joe Kohen/WireImage for Huffington Post, Jesse Grant/WireImage, Neilson Barnard/Getty Images
sie 2004 den Demokraten John Kerry öffentlich unterstütze, war ihr politischer Gesinnungswandel vollendet.
2003 stellte sie sich selbst als unabhängige Kandidatin in Konkurrenz zu Arnold Schwarzenegger für den Senatorenposten von Kalifornien auf. Im September desselben Jahres schied Arianna aus dem Wahlkampf aus, was sie aber umsomehr dar-in bestärkte, sich Gehör zu verschaffen.
Motiviert durch ihr eigenes Netzwerk an Freunden und Bewunderern, gründete sie im Mai 2005 mit ihrem guten Freund und dem ehemaligen Geschäftsführer von AOL, Kenneth Lerer, die «Huffington Post». Ursprünglich als Politblog gedacht, ist die HuffPo heute eine der einflussreichsten Internetzeitungen der USA. Tagtäglich verfassen Arianna und ihr Netzwerk von 3000 Bloggern Beiträge zu den Themen Politik, Wirtschaft, Mode, Kunst und Entertainment. Die illustre Bloggergemeinschaft setzt sich aus liberalen Journalisten, öffentlichen Personen und Prominenten zusammen. Auf die Frage eines Reporters der New York Times, was sie denn auf die Idee gebracht habe, eine Internetzeitung zu gründen, antwortete sie ganz unkompliziert, «das Internet sei für sie ein interessantes Medium und sie dachte, sie wolle ein biss-chen Spass haben». Im Februar 2009 veröffentlichte der Finanzblog «24/7 Wallstreet» ein Ranking, in welchem die HuffPo mit einem geschätzten Firmenwert von 90 Millionen US Dollar Platz 2 der finanziell rentabelsten Blogs belegte .
Anfang Februar wurde bekannt, dass Huffington beim Medienkonzern AOL den Posten der Managerin übernehmen wird und die HuffPo für 315 Mio. US Dollar an diesen verkauft.
Arianna steht in der Branche und in ihrem nahen Umfeld für Zielstrebigkeit, innovatives Gespür und Offenherzigkeit. Als ein Reporter sie fragte, ob sie sich jemals überlegt habe, ein Buch über sich selbst zu schreiben, antwortete sie nur: «Würde das nicht heissen, dass ich fertig bin?» (mf)
nachhaltigkeit
Am nachhaltigen Wirtschaften führt kein Weg vorbei. Wie ein
Unternehmen Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt
übernimmt, wird künftig immer wichtiger.
TEXT susanne kapfinger
schwerpunkt
WOMEN IN BUSINESS · März 201123
Nachhaltigkeit hat es also aus der grünen Ecke ins Zentrum des Wirtschaftslebens geschafft.
Das Thema Nachhaltigkeit ist in den Chefetagen angekommen – so sollte man wenigstens meinen. Fünf von zehn Themen, die das Beratungsunternehmen Ernst & Young kürzlich als die Toprisiken für global tätige Unternehmen identifiziert hat, haben direkt oder indirekt mit Nachhaltigkeit zu tun. SAM, ein auf nachhaltige Investitionen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Zürich, weist in einer neuen Studie nach, dass Firmen, die aus Nachhaltigkeitssicht an der Spitze stehen, besser wirtschaften als die Konkurrenz und ihren Aktionären deshalb höhere Renditen bescheren. Und die Ethos Stiftung zeigt in einer aktuellen Befragung, dass jedes dritte der 100 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen freiwillig ein Ziel für die Reduktion seines CO²-Ausstosses festgelegt hat.
Nachhaltigkeit hat es also aus der grünen Ecke ins Zentrum des Wirtschaftslebens geschafft: Ob Kunden, Mitarbeiter oder Aktionäre – viele Stakeholder wollen heute wissen, ob sich ein Unternehmen Gedanken über die Zukunft der Welt macht und wie es seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt. «Wir sehen im Markt eindeutig eine steigende Nachfrage nach Dienstleistungen im Nachhaltigkeitsbereich», sagt denn auch Ladina Caduff von Ernst & Young in Zürich. Und dies mit gutem Grund: Aus Sicht der Beraterin stellt der glaubwürdige Umgang mit dem Thema ein Mittel dar, «um sich die gesellschaftliche Geschäftsgrundlage zu erhalten».
Doch was bedeutet eigentlich der Begriff, der mittlerweile vom Parteiprogramm bis zur Firmenbroschüre überall auftaucht und zum Standardvokabular von 1.-August-Rednern so gut wie von Anlageberatern gehört?
Geläufig ist vor allem das Prinzip der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, wie es 1987 eine Uno-Kommission unter der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland definiert hat: Wir Menschen von heute, so die Forderung, sollten nur so viele Ressourcen beanspruchen, dass auch kommende Generationen noch genügend Rohstoffe vorfinden. Inzwischen jedoch meint Nachhaltigkeit weit mehr als verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt; das Konzept beschreibt den Ausgleich von ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Interessen. Das Schlüsselwort für das Verhalten von Unternehmen in diesem Dreieck von Ansprüchen heisst Glaubwürdigkeit. «Eine Firma, die in Fragen der Nachhaltigkeit glaubwürdig ist», so Ladina Caduff, «verfügt über eine Art moralische Ressource, die anderen Unternehmen fehlt. Auch differenziert sie sich dadurch von ihrer Konkurrenz – sei es über die angebotenen Produkte oder die interne Umsetzung der Nachhaltigkeit.»
Wie breit das Spektrum von Nachhaltigkeitsfragen ist, zeigt einesogenannte Themenlandkarte, die Ernst & Young im Gespräch mit ihren Kunden diskutiert. Sie reicht von voraussehbaren Bereichen wie dem Einsatz von erneuerbaren Energien und der CO²-Belastung, die ein Unternehmen verursacht, zu weniger offensichtlichen Gegenständen wie dem Rekrutieren und dem Halten von hochqualifizierten Mitarbeitenden. Auch dadurch differenziert sich eine Firma von ihrer Konkurrenz – sei es über die angebotenen Produkte oder die interne Umsetzung der Nachhaltigkeit in Beziehungen zu Verwaltung und Politik.
Diesen vielfältigen Implikationen zum Trotz wissen viele Manager offenbar noch nicht so recht, wie sie Überlegungen zur Nachhaltigkeit in die Un
schwerpunkt
FOTO: DigitalGlobe/Getty Images
Der Anstoss für die Neuausrichtung einer Firma muss von ganz oben kommen.
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ternehmensführung einfliessen lassen sollen. Eine Studie von McKinsey ergab 2010, dass gerade mal sechs Prozent der befragten CEOs Nachhaltigkeit als eine ihrer drei Topprioritäten betrachten. Dementsprechend selten seien Nachhaltigkeitsfragen in Geschäftsabläufen verankert.
Auch Ladina Caduff muss Überzeugungsarbeit leisten. «Wir werden von CEOs oft gefragt: Ist das alles nicht bloss ein Hype? Stehen wir nicht etwa schon auf seiner Spitze?» Die Antwort der Nachhaltigkeitsspezialistin ist klar: «Nein.» Gründe, weshalb die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen für die ganze Wirtschaft relevant sind und künftig weiter an Bedeutung gewinnen werden, sind: Immer mehr Gesetze verpflichten Unternehmen dazu, ihre Emissionen zu senken. Die Umweltbelastungen und die sozialen Probleme sind real und werden sich nicht von selbst lösen. Und: Der Druck von unterschiedlichsten Stakeholdern auf die Firmen wächst. Diese müssen beweisen, dass sie mehr können, als bloss Gewinne machen – nämlich substantiell zum gesellschaftlichen Wohl beitragen.
«Man muss weitreichende Überlegungen anstellen, um ein willkommener Partner zu sein», bringt Paola Kistler-De Coppi von der Bergbaugesellschaft Rio Tinto diese Ansprüche auf den Punkt. «Es braucht einen sozialen Konsens, damit wir als Bergbauunternehmen überhaupt aktiv werden können. Wir brauchen eine längerfristige Legitimation, eine Licence to operate.» Rio Tinto ist einer der grössten Bergbaukonzerne der Welt, und die Schweizerin Paola Kistler-De Coppi ist nach einer langen Karriere im Umweltbereich verschiedener Firmen (siehe Box) heute beim britisch-australischen Unternehmen zuständig für Produkteökologie. In den Grundsätzen für ihr Geschäftsgebaren schreibt Rio Tinto: «Unsere Ausrichtung auf nachhaltige Entwicklung ist der Rahmen, in dem wir uns als Unternehmen bewegen.» Eine Absichtserklärung, der offensichtlich nachgelebt wird, sonst würde Rio Tinto in der Branche nicht als führend in Nachhaltigkeitsfragen gelten und regelmässig Spitzenplätze in diversen Nachhaltigkeitsindizes belegen.
Dass ausgerechnet ein Bergbaukonzern, der mit seinen Aktivitäten gezwungenermassen der Umwelt zusetzt, zum Musterknaben der Nachhaltigkeit werden konnte, mag erstaunen. Einen entscheidenden Schritt dazu machte Robert Wilson, ein ehemaliger CEO und späterer VR-Präsident von Rio Tinto. 1998 lud er die Chefs von neun weiteren Minenkonzernen zu einem legendär gewordenen Dinner ein. Das Anliegen, mit dem Wilson seine Kollegen konfrontierte: «Lasst uns etwas unternehmen, damit wir vom Image der Umweltzerstörer wegkommen. Wir müssen uns den Forderungen der nachhaltigen Entwicklung stellen und aufzeigen, dass unsere Branche gebraucht wird.» Aus dieser Initiative entstand die Global Mining Initiative und daraus ist schliesslich der International Council on Mining & Metals hervorgegangen, ein Netzwerk, das sich zu hohen Umweltstandards im Bergbau verpflichtet.
Das Beispiel von Rio Tino illustriert bestens, was eine von Ernst & Young in Auftrag gegebene Studie für die gesamte Unternehmenswelt zeigt: Der Anstoss für die Neuausrichtung einer Firma muss von ganz oben kommen. Doch das Engagement des CEO für Nachhaltigkeit allein reicht nicht. Gelebte Nachhaltigkeit wird erst möglich, wenn sich auch die Manager mit Linienverantwortung vom Stellenwert des Themas überzeugen lassen. Am besten gelinge das, so die Studie, «wenn sich der Wert von Nachhaltigkeit auch aus finanzieller Perspektive nachweisen lässt.»
Konkret zeigt sich das geschärfte Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Rio Tinto so: Die von Paola Kistler-De Coppi geleitete Abteilung mit sechs Mitarbeitenden ermittelt den ökologischen Fussabdruck und die umwelt- und gesundheitlichen Chancen und Risiken, welche die Mineralien und Metalle, die der Konzern produziert,
schwerpunkt
Robert Wilson, ein ehemaliger CEO und späterer VR-Präsident von Rio Tinto lud
1998 Chefs von neuen weiteren Minenkonzernen zu einem legendär gewordenen
Dinner ein.
mit sich bringen. Und zwar während ihres gesamten Lebenszyklus’ – vom Abbau über die Herstellung des Produkts, in das der Rohstoff einfliesst, bis zu dessen Gebrauch und Entsorgung. Interessant sind diese Daten nicht zuletzt für die Kunden. Autoherstellern etwa rechnet Rio Tinto vor, dass der Einsatz von Aluminium CO² vermeiden hilft. Grund: Leichtere Fahrzeuge verbrauchen weniger Treibstoff und deshalb verursachen sie weniger Emissionen. Über die Lebensdauer eines Autos wiegt diese Einsparung das bei der Herstellung von Aluminium ausgestossene Treibhausgas auf.
Nur weil Rio Tinto die Umweltbilanz seiner Produkte präzise belegen kann, kam die Firma beim Projekt «Love, Earth®» von Wal-Mart zum Zug. Der grösste Detailhändler der Welt reagierte damit 2008 auf den Wunsch von immer mehr Kunden, Schmuck zu kaufen, der unter ökologisch und sozial guten Bedingungen produziert wurde – Abbau von Diamanten und Edelmetallen eingeschlossen. Rio Tinto wurde als Silberlieferant ausgewählt. Der Anspruch auf Transparenz und Glaubwürdigkeit von Wal-Mart geht so weit, dass die Schmuckkäufer die Herkunft ihrer Preziosen via Internet verfolgen können.
In ganz anderer Hinsicht beispielhaft ist eine neue Mine von Rio Tinto in Madagaskar. Die Mine, in der Titaneisenerz abgebaut wird, liegt in einem völlig verarmten Teil des Landes, und die lokale Bevölkerung versprach sich vom Auftauchen der Bergbauern endlich einen Weg aus der Armut. Doch Jobs für alle kann Rio Tinto nicht schaffen. Um bei der Rekrutierung des Personals keine sozialen Spannungen aufkommen zu lassen, entwickelte das Bergbauunternehmen zusammen mit Stammesältesten und Behördenvertretern ein Rekrutierungssystem, das
Aufstellung der nachhaltigsten schweizer Unternehmen
Company Name
Country
Sector
Leader
Distinction
Mover
ABB Ltd.
Switzerland
Industrial Engineering
No
Bronze
No
Baloise-Holding
Switzerland
Insurance
No
No
Credit Suisse Group AG
Switzerland
Banks
No
Bronze
No
Holcim Ltd
Switzerland
Building Materials & Fixtures
No
Gold
No
Nestlé S.A.
Switzerland
Food Producers
No
Gold
No
Nobel Biocare
Switzerland
Medical Products
No
No
Novartis AG
Switzerland
Pharmaceuticals
No
Gold
No
Roche Holding AG
Switzerland
Pharmaceuticals
Yes
Gold
Yes
Sulzer AG
Switzerland
Industrial Engineering
No
Bronze
No
Swiss Re
Switzerland
Insurance
Yes
Gold
No
Swisscom
Switzerland
Fixed Line Communications
No
Silver
No
Syngenta
Switzerland
Chemicals
No
Silver
No
UBS Group
Switzerland
Banks
No
No
Zurich Financial Services
Switzerland
Insurance
No
Bronze
No
schwerpunkt
Anzeigen fehlen absichtlich
FOTO: Duncan Blum, PD
schliesslich die Gemeinschaft zufrieden stellte. Nachhaltiges Wirtschaften muss nicht immer zu solchen Vorzeigeprojekten führen. Im Gegenteil: Im Firmenalltag nimmt sich Nachhaltigkeit oft eher unspektakulär aus und hat viel mit systematischem Management zu tun. «Extrem wichtig», sagen sowohl Ladina Caduff wie auch Paola Kistler-De Coppi, «ist die Kombination von Nachhaltigkeitsüberlegungen mit Businessprozessen.» Bei Ernst & Young heisst dies für Ladina Caduff , dass sie und ihre Beraterkollegen ihre Aufgabe gut gelöst haben, wenn der Umgang mit Nachhaltigkeit in einem Unternehmen zu einer Managementaufgabe unter vielen geworden ist. «Business as usual!» Die Etablierung von Nachhaltigkeit in einem Unternehmen hat denn auch viel mit Reporting zu tun. Erst wenn zuverlässige Daten erhoben werden, kann eine Firma überprüfen, ob sie ihren Versprechungen tatsächlich nachlebt – und auch glaubhaft darüber nach aussen berichten. Viele CEOs seien heute so weit sensibilisiert, so Ladina Caduff, dass sie die übertriebene Darstellung ihres Unternehmens als Nachhaltigkeitschampion vermeiden. «Können wir tatsächlich halten, was wir da versprechen?», fragt sich manch ein oberster Chef.
Unerfüllte Versprechen machen angreifbar. Genauso wie Umweltsünden oder Verstösse gegen Arbeits- und Sozialgesetze. Über lange Zeit, sagt Ladina Caduff, hätten die Unternehmen Nachhaltigkeit deshalb vor allem unter dem Risikoaspekt betrachtet. Doch dieser einseitige Blick sei falsch: «Neben den Risiken gibt es immer auch Opportunitäten. Unternehmen, welche die Nachhaltigkeit gut managen, beweisen, dass sie innovativer sind als die Konkurrenz, und sie zeigen, dass sie auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu reagieren wissen.»
«Extrem wichtig, ist die Kombination von Nachhaltigkeitsüberlegungen mit Businessprozessen»
• Paola Kistler-De Coppi (53) kann bereits auf eine bewegte Karriere im Nachhaltigkeitsbereich zurückblicken. Sie studierte an der ETH in Zürich Chemieingenieurin, doktorierte und arbeitete anschliessend im Umweltconsulting. Ihre nächste Station war die Alusuisse, wo sie sich mit Altlasten beschäftigte. Als Alusuisse von der kanadischen Alcan übernommen wurde, wechselte sie nach Kanada, wo sie zur Leiterin des Umweltbereichs wurde. Als Alcan ihrerseits Teil von Rio Tinto wurde, kam Paola Kistler zurück in die Schweiz. Für die globale Aufgabe, die sie übernommen hat, spielt ihr Standort keine Rolle. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern ist bei Rio Tinto seit zwei Jahren verantwortlich für das sogenannte Product Stewardship. Ein Bereich, der auf Deutsch als Produkteökologie bezeichnet wird.
• Ladina Caduff (37) ist von der Forschung in die Beratung gekommen. Die Mitarbeiterin in der Sustainability Practice Group von Ernst & Young in Zürich studierte Politikwissenschaften. Dann schrieb sie am Center for International Studies der ETH und Universität Zürich eine Doktorarbeit, die viel mit Nachhaltigkeit zu tun hatte: Sie untersuchte, weshalb die EU und die USA im Gesundheits- und Umweltbereich andere gesetzliche Standards setzen. In der EU zum Beispiel sind Hormonrückstände im Fleisch verboten, in den USA nicht. Danach forschte Ladina Caduff an der London School of Economics und am MIT, dem Massachusetts Institut of Technology in Boston. Seit vier Jahren arbeitet die Mutter einer Tochter nun beim global tätigen Beratungsunternehmen Ernst & Young. Sie unterstützt Firmen in der Positionierung, der internen Umsetzung und der Leistungsmessung von Nachhaltigkeit.
schwerpunkt
Anzeigen fehlen absichtlich
FOTO: PD
Marion Swoboda
Leiterin Nachhaltigkeits-Research
Swisscanto
TOP-MANAGERIN
Proaktive Klimastrategie
Banken mit integrierter Klimastrategie sind innovativ und erarbeiten sich damit einen Wettbewerbsvorteil, was aus Investorensicht langfristig interessant sein kann.
• Marion Swoboda (1965) ist seit über zehn Jahren beim Nachhaltigkeits-Spezialisten SAM Group tätig, wo sie die Studie Banken und Klimawandel verantwortet. Die Analystin hat die Studie in Zusammenarbeit mit Bettina Furrer, ETH Zürich und ZHAW Zurich University of Applied Sciences aufgegleist und durchgeführt. Finanziert hat das Projekt die Förderagentur für Innovation der Schweiz (KTI) und der WWF-UK. Die Ergebnisse sind bis heute aktuell. Zukünftige Updates werden allerdings nicht mehr von Swoboda signiert, weil sie per 1. Mai 2011 die Funktion der Leiterin Nachhaltigkeits-Research bei der Swisscanto übernehmen wird. Was also sind die Erkenntnisse, die sie aus dieser Arbeit mitnehmen kann, welches sind die Auswirkungen des Klimawandels auf Banken? Banken dienen als Drehscheibe bei Finanzierungen und sind deshalb vor allem indirekt in ihren Portfolios von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Wie aber gehen Banken mit den Herausforderungen des Klimawandels um? „Banken mit einer proaktiven Klimastrategie integrieren bereits heute die Auswirkungen des Klimawandels bei ihren Finanzierungsentscheiden aufgrund von langfristigen Szenarien für relevante Geschäftsfelder. Dies kommt bereits bei energieintensiven Branchen wie Versorgern, Ölförderern oder der Chemie, aber auch im Immobilien- und Landwirtschaftssektor zum Tragen“, so die Studienerkenntnisse. Sollten Investoren auf Klimastrategien bei Banken achten? Ja, da die verbesserte Berücksichtigung des Klimawandels bei Finanzierungslösungen die Kundenbindung erhöht und den Gewinn von neuen Kunden erleichtert, ist man bei SAM überzeugt. Banken mit integrierter Klimastrategie sind innovativ und erarbeiten sich damit einen Wettbewerbsvorteil, was aus Investorensicht langfristig interessant sein kann. Banken, die in ihrer Strategie Risiken und Chancen des Klimawandels systematisch berücksichtigen, erschliessen sich das Potenzial, ihr ökonomisches Kapital effizienter einzusetzen und ihre finanzielle Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Dazu haben Banken drei Ansatzpunkte: Auf Ebene der Unternehmensführung hilft ein vertieftes Verständnis des Klimawandels, die Risikomodelle zu optimieren und damit das Kapital der Bank im Verhältnis zu den eingegangenen Risiken effizienter einzusetzen. Dies zu erreichen, ist sehr anspruchsvoll, so die Konklusion. Vor drei Jahren haben nur wenige Banken Klimawandel-Risiko-Modelle und -Bewertungsmethoden entwickelt. Beim operativen Betrieb stehen Energiesparmassnahmen im Zentrum, was sich oftmals schnell auszahlt, und die Kompensation des CO2-Ausstosses. Im Kerngeschäft entwickeln innovative Banken neue Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel: im Endkundengeschäft etwa spezielle Hypotheken für energieeffiziente Liegenschaften, in der Vermögensverwaltung spezialisierte Anlagefonds oder im Investment Banking Produkte, basierend auf Emissionszertifikaten oder für Absicherungen von Wasserrisiken. Vor allem hier wird Frau Swoboda in ihrer neuen Position bei Swisscanto ansetzen können, worauf sie sich sicher schon freut. sk)
unternehmen & märkte
«Börsen mit Klarsicht»
Nur 54 % aller Wertpapiertransaktionen erfolgen gemäss CFA-Studie auf transparenten Märkten.
• Ist der Börsenhandel transparent? Die globale Vereinigung der Finanzanalysten, das CFA Institute, warnt vor mangelnder Börsen-Transparenz. Nur 54 Prozent aller Wertpapiertransaktionen erfolgen gemäss CFA-Studie auf transparenten Märkten. Transparente Märkte beziehen sich auf Handelstransaktionen, die über die Order-Bücher der organisierten Märkte (die Börsen) und Multilateralen Handelssysteme (Multilateral Trading Facilities, kurz MTF) erfolgen, an denen Preise und Transaktionsbeteiligte vor der Ausführung angezeigt werden. Wer nachhaltig investiert, sollte sich auch dem Thema widmen, weil dunkle Pools den Marktteilnehmer nicht nur finanziell schädigen, sondern auch ethisch bedenklich sind.
Wem schadet mangelnde Transparenz? Anne-Katrin Scherer, CFA, Executive Director Swiss CFA Society: «Wir setzen uns für die Interessen unserer Kunden, der Endanleger, ein. Ziel ist es, einen fairen und effizienten Wertpapierhandel zu gewährleisten. Dazu gehören auch die Förderung der Markt- und Handelstransparenz und die Minimierung der Transaktionskosten.» Eine Analyse von Transparenz fördernden Massnahmen in ausgewählten europäischen Märkten wie Frankreich, Deutschland, Spanien, Grossbritannien und die Niederlande, deute darauf hin, dass hohe durchschnittliche Transparenzwerte mit niedrigen durchschnittlichen Geld/Brief-Spannen einhergehen. Ebenso korrelieren stabile Transparenzniveaus mit stabilen Spannen. Transparenz könne also dazu beitragen, dass die Handelskosten für Anleger niedrig bleiben. Die CFA-Studie legt ebenso dar, dass nicht alle Handelsplätze, die EU-weit ähnliche Aktivitäten verfolgen, den gleichen regulatorischen Bestimmungen unterliegen, ergo unterschiedliche Transparenzniveaus ausweisen. Somit haben nicht alle Investoren Zugang zu den besten Marktpreisen. Dies wiederum schafft Spielraum für regulatorische Arbitrage.
Wie lässt sich das ändern? Das CFA Institute empfiehlt zwei Massnahmen: In Bezug auf die Marktstruktur sollen mehr Transaktionen an transparent organisierte Handelsplätze gelenkt werden, um der zunehmenden Verlagerung auf OTC-Geschäfte Einhalt zu gebieten. Zudem soll der regulatorische Rahmen vereinheitlicht werden, womit die regulatorische Arbitrage verhindert werden könnte.
INVESTMENTS
unternehmen & märkte
FOTOs: Istockphoto (2)
Was ist ein
OTC-Markt?
• OTC steht für den englischen Begriff «Over the Counter», was soviel wie über den Tresen bedeutet. Gemeint ist damit der ausserbörsliche Handel, der früher zwischen zwei Händlern über das Telefon abgewickelt wurde. Da andere Marktteilnehmer dabei die Transaktionspreise nicht einsehen können, gilt der Tresen-Handel als intransparent. Heute werden zwar die OTC-Transaktionen auch über elektronische Wege, wie die Internet-Plattform von Online-Brokern, abgewickelt, das Orderbuch und damit die Preissetzung bleibt den Marktteilnehmern dennoch meist verborgen. Der OTC-Markt hat sicherlich auch seine Vorteile. Die OTC-Händler zahlen beispielsweise keine Börsengebühren und handeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dennoch sind Profi-Investoren durch die dunklen Aktiengeschäfte beunruhigt, weil sie an Beliebtheit gewinnen und für viele Investoren finanzielle Nachteile haben. Schätzungen zufolge wird bereits jede zweite der in Europa gehandelten Aktien im Dunkeln gekauft oder abgestossen. Dadurch fehlen den regulären Börsen wichtige Informationen zur Preisfindung; die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten wird dadurch erhöht.
KNOWhow
Wind, Sonne und Wasser
Was sind die unterschiedlichen Anlageformenmit ihren Chancen und Risiken?
• Sobald es um Umweltschutz und die Bekämpfung des globalen Klimawandels oder auch um das 400-Milliarden-Desertec-Projekt geht, das Sonnenstrom für Europa aus der Wüste Sahara verspricht, stehen erneuerbare Energien im Blickpunkt. Investments in alternative Energien haben aber auch ihre Tücken, die Märkte sind eng und stark reglementiert, sprich subventioniert. Was sind die unterschiedlichen Anlageformen (Aktien, ETFs und Aktienfonds) mit ihren Chancen und Risiken?
Die Entwicklung des Geschäftsverlaufes der Branche für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der Schweiz bildet am besten der Renewable Energy Index Schweiz (REIS) ab. Dieser signalisiert zwar weiterhin eine positive konjunkturelle Dynamik, ist allerdings zum Vorquartal erneut gefallen. Der REIS wird in Zusammenarbeit von Credit Suisse (CS) mit der AEE Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz veröffentlicht. Die Grossbank hat aber globale Investitionen in die Nachhaltigkeit zum Megatrend erklärt, womit das Anlagethema langfristig nach Ansicht der CS attraktiv bleibt.
Welche Firmen sind konkret damit gemeint? Für Goldman Sachs gehört First Solar zum Top-Pick 2011 der Solarbranche. Da sie mit ihrer Meinung nicht alleine stehen, fuhr der Aktienkurs des Branchenprimus seit Anfang Jahr satte Kursgewinne (+22%) ein. Andere Solaraktien, wie Trina Solar (+16%) aus China, zogen nach. Das erste Halbjahr 2011 dürfte für die Solarbranche, deren Aussichten durch die politische Diskussion um die Subventionskürzungen in Deutschland (weltweit grösster Absatzmarkt) getrübt waren, operativ nun besser verlaufen, als bisher befürchtet. Auf der anderen Seite reissen sich Anleger um die Aktien der Hersteller von Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken, es entstehen immer mehr Fondslösungen. Für den Endanleger hat der Kauf eines Fondsanteils den Vorteil der Diversifikation des Unternehmensrisikos, aber auch regulatorischer Risiken, denn Staaten unterstützen die Schlüsseltechnologien (Wind, Wasser, Sonne) in unterschiedlichem Ausmass. Zudem setzt man bei Fonds, wie SAM Smart Energy, auf alle erneuerbaren Energietechniken gleichzeitig.
ANLAGE
Grüne Fondslösungen – Die 3 besten nachhaltigen Aktien- und Mischfonds
Die von Financ & Ethics Research als nachhaltig definierten Aktien- und Mischfonds erzielten durchschnittlich berechnet über einen Zeitraum von zehn Jahren, ein geringfügig besseres Ergebnis als die konventionelle Fondsgruppe. Die Swisscanto Gruppe bezieht seit 2011 ihre Nachhaltigkeits-Analysen beim Research-Institut Inrate.
Quelle: Finance&Ethics Research (FER)
Name/ISIN
Kurzbeschrieb
1 Jahr
3 Jahre (p.a.)
Outperformance 3 Jahre
LB (Swiss) Four Elements Earth / LU0298621763
Investiert weltweit in Produkte und Technologien zur Erzeugung von Materialien, die Alternativen zu nicht erneuerbaren Rohstoffen darstellen oder solche nicht erneuerbaren Rohstoffe wiedergewinnen.
17.9
3.6
24.9
LB (Swiss) Four Elements Water LU0298627968
Investiert in den Bereichen Wasserreinigung und Wassermanagement.
22.9
1.3
12.2
BL Equities Horizon/ LU0093570173
Investiert in die Marktführer verschiedener Branchen. Wichtigste Themen sind Technologie, Demografie und Globalisierung. Entscheidend ist der Nachweis einer mehrjährigen, hohen Eigenkapitalrendite.
11.3
-1.1
20.2
Dr. Hoeller Prime Values Income CHF / AT0000973037
Investiert weltweit in Anleihen und Aktien grosser und mittlerer Unternehmen, bei denen eine ausgeprägte Umweltfreundlichkeit sowie die Einhaltung hoher ethischer und moralischer Grundprinzipien erkennbar sind.
10.0
15.8
12.5
Swisscanto Green Invest Yield / LU0343771381
Investiert weltweit in Aktien, Obligationen und Geldmarktinstrumente. Berücksichtigt werden ausschliesslich Unternehmen, welche den Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit Folge leisten.
5.3
5.7
2.3
Sarasin OekoSar Portfolio / LU0058892943
Der ausgewogene Portfoliofondsinvestiert in Unternehmen, die ein umweltgerechtes, öko-effizientes Management und die proaktive Beziehung zu Mitarbeitern, Kunden, Geldgebern zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Strategie machen, sowie in Länder, die sich durchmöglichst gering und effizient genutzte Umwelt- und Sozialressourcen auszeichnen.
13.5
0.9
5.3
Performance in %
INVESTMENTS
unternehmen & märkte
«Grün und gründlich»
• Wer sagt, ob ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet? Seitdem der erste Nachhaltigkeits-Guru in der Schweiz, SAM Group, Anleger auf nachhaltiges Investieren sensibilisiert, kamen weitere unabhängige Nachhaltigkeits-Institute wie Inrate oder Finance&Ethics dazu, alle mit unterschiedlichen Ansätzen. Ein Vergleich zeigt, dass grün nicht gleich grün ist. Wie sehen die «grünsten» Investments aus?
Inrate AG ist eine Nachhaltigkeitsrating-Agentur, die Kunden in ganz Europa betreut und über 20-jährige Erfahrung in der Beratung von Investoren vorweist, die bei ihren Finanzanlagen ESG-Kriterien berücksichtigen möchten. Wer also eine nachhaltige Anlagestrategie (SRI) oder seine nichtfinanziellen Risiken von traditionellen Anlagen minimieren will, wendet sich an solch eine Rating-Agentur. Dabei ist die Wahl der Agentur ein wichtiger Entscheid, weil die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsanalyse je nach Institut unterschiedlich gehandhabt werden; folglich entstehen auch unterschiedliche nachhaltige Anlageuniversen. «Wir haben Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte der Nachhaltigkeit in unserem Research-Prozess integriert. Dabei fokussieren wir auf Unternehmensrichtlinien, Managementvorgaben sowie publizierte Fakten und richten unser Augenmerk auf die Ausgestaltung von Prozessen, Produkten & Dienstleistungen.», heisst es bei Inrate. Nun sind aber die Informationen, die Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit zur Verfügung stellen, zum Teil nur Lippenbekenntnisse. Deshalb betonen die Rating-Agenturen auch immer wieder, dass ihre Mitarbeiter langjährige Erfahrung mitbringen. Bei SAM Group bedeutet nachhaltiges Investieren, «die systematische Identifizierung von Wachstumsthemen und Branchenführern im Nachhaltigkeitsbereich, um Mehrwert für Investmentportfolios zu generieren». SAM-Analystin, Gabriela Grab Hartmann räumt dem Bereich «Healthy Living» Investitionschancen ein und versteht darunter den Trend zu Naturkosmetika oder biologischen Lebensmitteln.
lebensfreude und stil
10 Fragen an...
Sebastian Fischenich
Creative Director, bel epok
Gastprofessor an der UdK-Berlin
1.Wenn Sie einen Tag lang die Welt retten könnten, was wäre die erste Tat?
2.Wo ist Ihre erst Heimat, gibt es eine zweite Heimat?
3.Was können Sie nur mit Humor ertragen?
4.Welche berühmte Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne zum Nachtessen treffen?
5.Worauf können Sie am ehesten verzichten? Drei Beispiele: Handy, Urlaub, Auto
6.Gibt es eine Tat, die Sie bereuen und gerne rückgängig machen möchten?
7.Welcher Satz begleitet Sie durchs Leben und spiegelt Ihre Lebensphilosophie wieder?
8.Wie alt wünschen Sie sich zu werden?
9.Wäre das Leben einfacher, wenn das Schöne gut und das Hässliche böse wäre?
10.Was braucht die Business Frau in der kommenden Modesaison unbedingt?
38WOMEN IN BUSINESS · März 2011
WOMEN IN BUSINESS · oktober 201053
reisen fern
Soneva Kiri
• Inmitten des indischen Ozeans liegt die Insel Koh Kood, mit tropischen Regenwäldern, unberührten Stränden, Wasserfällen und Mangrovenbäumen. Die letzte «geheime Insel Thailands», die man auch nur mit dem Boot oder dem Six Sense Privatflieger via Bangkok erreicht. In der Sprache der Einheimischen heisst Koh Kood Schildkröte, was man schon als Zeichen für geruhsame Ferien werten darf. Die Besitzer der Six-Senses Gruppe, das Ehepaar: Sonu und Eva haben bereits in den frühen 90ziger Jahren nach strengen ökologischen Grundsätzen gebaut und gestaltet. Die 42 Pool-Villen mit einer Grösse von 300 bis 770 Quadratmetern bestechen durch natürliche Materialien beim
Mobiliar. Obwohl der Dresscode leger ist, Tenor: «NO SHOES», steht jedem Gast sein persönlicher Butler, Mr. Friday fast rund um die Uhr zur Verfügung und ist stets unauffällig um den Gast bemüht. Slow Food in Kombination mit einem edlen Tropfen aus der über 300 Weine umfassenden Karte geniesst man als moderner Robinson Crusoe hoch oben in den Wipfeln der exotischen Bäume. (sh)
Buchungen
www.sixsenses.com/soneva-kiri
reisen nah
Vigilius mountain resort
• Kein Autolärm, keine Geschäftstermine, keine überflüssige Ablenkung: nur die würzige Frische der Berge und der betörende Duft der Lärchenwälder. Wenn Sie davon träumen, machen Sie sich auf den Weg nach Südtirol in die Ortschaft Lana und steigen auf den Hausberg Vigiljoch oder die bequemere Variante nehmen die Seilbahn zum 1500 Meter hoch gelegenen Vigilius mountain resort. Für den weltweit renommierten Architekten Matteo Thun, der mit der kreativen Realisierung beauftragt war, stellt das Resort „ein Wohnzimmer jenseits der Moderne“ dar. Der charismatische Unternehmer Ulrich Ladurner hat mit Matteao Thun ein geheimes Versteck geschaffen, das sich dem Gelände anpasst und an die Baumhäuser unserer Kindheit erinnert. Die 35 Zimmer und 6 Suiten orientieren sich nach Osten und Westen und der Blick geht immer nach draussen, die Natur wird zum Mittelpunkt erhoben, um sie letztendlich in sich selbst wieder zu finden.
Im Jahr 2009 wurde das Resort als eines von sieben Hotels weltweit von «ECO Hotels of the world» mit 5 grünen Sternen ausgezeichnet. (sh)
Buchungen
www. vigilius.it
fotos: PD, Herbert Ypma
POUR LE PLAISIR
POUR LE PLAISIR
lebensfreude & stil
Anzeigen fehlen absichtlich
foto: Istockphoto
DETOX KUR DE LUXE
• «Es gibt 1000 Krankheiten aber nur eine Gesundheit.» Kaum findet man einen trefflicheren Satz als den von
Arthur Schoppenhauer, um an das nachhaltige Gesundheitsmanagment für den eigenen Körper zu erinnern.
Das englische Wort für Entgiftung «Detox» liesst man häufig in einschlägigen Frauentiteln, wenn die Hollywoodgrössen Ihre ultimativen Schlankheits- und Beauty Geheimnisse ausplaudern. Natürlich hat eine Detox Kur, die ich im Selbstversuch gestartet habe den positiven Nebeneffekt, dass ein paar Pfunde purzeln und die Haut rosig und praller wird. Das Hauptziel der Kur ist allerdings die gründliche Entschlackung des Körpers, nachhaltige Umstellung von Ernährung und Stoffwechsel um mehr Vitalität, Gesundheit und Wohlbefinden zu erlangen. Und das Ganze lässt sich mit dem Service der Firma detox-deligth.com, selbst mit einer dicht gefüllten Agenda durchführen. Die Bestellung der Kur erfolgt entweder online oder telefonisch und je nach Variante und Dauer der Kur, von einem bis zu 15 Tagen, werden Sie täglich an ihrer Wunschadresse zu Hause oder im Büro mit appetitlich gepackten Menüs in einer Kühlbox überrascht. Ich habe mich entschlossen 100 % flüssig zu detoxen, «Juice & Soup» heisst mein Programm für die nächsten 5 Tage.
Ein Tag besteht aus 4 verschiedenen Juice Deligth Säften à 500ml wie z.B. Orange, Karotten und Zitrone, sehr fein und einer warmen Detox-Suppe. Ideal in der kalten Jahreszeit sich je nach Bedarf mittags oder abends etwas Warmes zu sich zu nehmen. Durch den vollständigen Verzicht auf feste Nahrung wird die Verdauung noch umfassender entlastet, wodurch der Stoffwechsel noch effizienter arbeitet und mehr verbrennt. Die Suppen sind besonders reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelement, Rote Beet-Birnen Suppe mit Wasabi-Schiffchen oder Karotten-Süsskartoffelsuppe mit Mandelfrischkäse, klingt nicht nur gut, sondern schmeckt auch so. Ergänzend dazu gönne ich mir an zwei Abenden eine ayuvedische Massage in einem der angesagten Spa`s der Stadt. Nach der 5 Tages Kur fühle ich mich eneriegeladen und beschwingt – und als ich meiner Nachbarin im Treppenhaus begegnete und sie mich fragt ob ich in den Ferien gewesen sei, dachte ich Ziel erreicht und nehme mir vor öfter mal einen Detox Tag einzulegen. (sh)
www.detox-delight.com
POUR LE PLAISIR
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lebensfreude & stil
BEauty
Badesalz
Salz aus dem Mittelmeer, lässt das Bad zum Erlebnis werden und erfüllt den Raum mit dem Duft einer frischen Meeresbrise.
L`Occitane Preis: CHF 33.–
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Seit 40 Jahren gibt es die Allround Creme von Dr. Hauschka, die normaler, trockner und auch empfindlicher Haut optimalen Schutz bietet. Die Rosenblüten stammen aus einem biologisch-dynamischen
Anbaugebiet aus dem Iran.
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Appleblossom Aster
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McCartney. Der Nagel-
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Konzert
Viele Worte braucht es nicht, wenn Jamiroquai das Hallenstadion beehren werden. Mit ihrem siebten Studio-Album gehen sie jetzt live an den Start. Musikalisch eröffnen sich damit wohl keine neuen Welten, aber Rock Dust Light Star reiht sich nahtlos in die Reihe des tanzbaren Funk-Grooves ein. Klar ist damit auch, dass Frontmann Jay Kay mit seiner Vorliebe für extravagante Kopfmode eine energie-geladene Bühnenshow bieten wird. Somit bleibt also nur noch zu sagen: Tanzschuhe anziehen und für den Abend alle Pflichttermine streichen. (ms)
SAMMELGUT – gut gesammelt oder das gesammelte Gut? SAMMELWUT – gesammelte Wut oder die Wut des Sammlers? Würde er noch leben, könnte Werner Coninx (1911 – 1980) diese Fragen selber am besten beantworten. Sein Leben hat Coninx der Liebe zur Kunst gewidmet. Seinen grossen Traum hat er verwirklicht; begann er zunächst als Maler, so fing er später an, Kunstwerke zu sammeln. Man könnte fast von horten sprechen – wuchs doch seine Sammlung zwischen 1945 bis 1980 auf mehrere Tausend Kunstwerke an. Überzeugen Sie sich mit einem Besuch der Ausstellung selber, wie ein manischer Sammler seiner persönlichen Überzeugung strikt folgt. Die Ausstellung ist unterteilt in die vier Seelenräume «Leidenschaft und Scham», «Weltenzauber und Melancholie», «Erwachen und Rückzug» und «Tagtraum und Vergänglichkeit».
Die Ausstellung ist noch verlängert bis zum 28. Mai und wird von literarischen Matineen begleitet. (ms)
Öffnungszeiten Di.-Sa. 14 bis 17 Uhr; So. 11 bis 17 Uhr
lebensfreude & stil
FOTOS: Good News, Franziska Scheidegger, PD
Bildband
Das Buch öffnet Einblicke in über 30 private Parkanalagen, Gärten und Terrassen in der Stadt am See. Die abwechslungsreiche Palette reicht von herrschaftliche Anwesen über kleine interessante Vorstadtgärten bis hin zu eleganten Terrassen hoch über der Altstadt. In sich gekehrte Garten-
räume wechseln sich ab mit gross
artigen Anlagen, die von der Internationalität der Stadt Zeugnis ablegen. Ziel des Buches ist es, die Gärten in ihrer ganzen Pracht und Vielfalt den Lesern in stimmungsvollen Texten und traumhaft schönen Fotos näherzubringen, wobei die gezeigten Pflanzen genau beschrieben werden, so dass man die Ideen auch im eigenen Garten umsetzen kann. (sh)
Andreas Honegger, Fotos Gaston Wicky erschienen bei DVA CHF 72,90
CD
Ehrlich, kantig, eigenständig, folkloristisch einfach und scharfsinnig komplex – dies sind nur einige Attribute, die Donat Fisch zugeschrieben werden. Einfach und doch genial daher auch die Idee, aus dem Trio (Donat Fisch, Saxofon; Bänz Oester, Bass; Norbert Pfammater, Drums) ein Quartett zu machen. Mit Andy Scherrer als Viertem im Bunde treffen nämlich zwei Saxofonisten aufeinander, die sich bereits lange kennen – Scherrer war der Lehrmeister von Donat Fisch. «Lappland» ist ein Album, das ohne Effekthascherei auf den Punkt kommt. Und wer nicht nur dieses Album geniessen, sondern auch live auf seine Kosten kommen möchte, der sollte sich die Konzerttermine bereits jetzt in die Agenda eintragen. Donat Fisch Quartet, „Lappland“, Unit Records, ab Ende Januar (ms)
Donat Fisch Quartet in Concert:
13. Mai 2011, Bird’s Eye, Basel
14. Mai 2011, Bird’s Eye, Basel
18. Mai 2011, Jazzfestival, Schaffhausen
Der Blick vom O2 Gebäude auf das Münchner Olympiastadion mit dem einzigartigen Zeltdach.
Sehnsucht nach den Pinienwäldchen
Für Telefónica O² verließ Top-Managerin Andrea Folgueiras zum ersten Mal Argentinien. In München organisiert sie 1000 Mitarbeiter, ihre fünf Kinder und eine fremde neue Heimat.
TextDorothee RothfußFotos Alessandra Schellnegger
Am Westrand des Münchner Olympiaparks, nur ein paar Meter vom ewig rauschenden Mittleren Ring getrennt, eine an-
sonsten eher unwirtliche Gegend. Hier wächst ein kleiner Pinienhain, im Schatten von 146 aufgetürmten Metern aus Glas und Stahl. Der Wind fängt sich zwischen dem High-Tech-Büroturm von O² und dem flachen Nachbargebäude. Er fährt durch das Wäldchen, zerzupft die Haare und den R